Gruppentherapie (MBT)

 

Ambulante Mentalisierungsbasierte Gruppentherapie für Menschen mit Persönlichkeitsstörungen

Neben der tiefenpsychologisch fundierten bzw. analytischen Gruppentherapie bieten wir eine Mentalisierungsbasierte Gruppentherapie (MBT) an.

Diese Gruppe ist geeignet für Patienten mit Borderline- und anderen Persönlichkeitsstörungen, deren emotionale Probleme und Beziehungsschwierigkeiten im Zusammenhang stehen mit einem Defizit an Mentalisierungsvermögen, welches in der gemeinsamen Gruppenarbeit gefördert werden soll.

Mentalisierung bedeutet, eignenes und fremdes Verhalten in Zusammenhang mit inneren „mentalen“ Zuständen (also Gefühlen, Gedanken, Vorstellungen, Überzeugungen, Wünschen usw.) zu verstehen.

Ein gute und differenzierte Mentalisierungsfähigkeit ermöglicht

- auch in emotional aufgeladenen Situationen eigene Gefühle wahrnehmen, innerlich und auch in der Kommunikation nach außen benennen zu können und Vorstellungen zu haben, durch welche äußeren und inneren Umstände diese Gefühle hervorgerufen wurden,

- Ideen entwickeln zu können, was in unserem Gegenüber vorgeht und dabei zu wissen, dass diese Ideen auf Interpretationen beruhen und wir uns entsprechend auch irren können,

- um die Unterschiedlichkeit im menschlichen Erleben zu wissen und diese zu akzeptieren,

- Konflikte eingehen und erfolgreich lösen zu können, Vorstellungen und Wünsche erfolgreich anbringen zu können, weil durch die Kenntnis eigener und (vertrauter) anderer Wahrnehmungsmodelle eigenes und fremdes Verhalten in gewissen Maße vorausgeahnt werden kann und wir unsere „Strategie“ anpassen können

- Beziehungen aufnehmen und aufrecht erhalten zu können, auch wenn der andere unsere Erwartungen nicht immer erfüllt

- Verlassenheitsangst auszuhalten

- ein sicheres Identitätsgefühl.

Diese Fähigkeit hängt mit der Entwicklung der Persönlichkeit zusammen.

Dabei ist Mentalisierung nicht nur ein Verstandesprozess, sondern beginnt mit der Entdeckung der Gefühle und der Fähigkeit zur Gefühlsregulierung.

Diese innere Fähigkeit wird interaktionell vermittelt, hierbei sind die Erfahrungen in den Beziehungen zu unseren ersten relevanten Bezugspersonen besonders prägend.

Das Gefühl für das eigene Selbst geht aus der gefühlsmäßigen Bindung zu den primären Bezugspersonen (i.d.R. den Eltern) hervor, wobei die Bindung kein Selbstzweck zum Erleben von Schutz und Sicherheit ist, vielmehr entfaltet sich in der frühkindlichen Bindung das Verstehen eigener und fremder mentaler Zustände.

Voraussetzung für die Aufbau einer sicheren Bindung, einer Mentalisierungsfähigkeit sowie der Selbstorganisation beim Säugling ist die Fähigkeit der primären Bezugspersonen (meist der Eltern) über sich selbst nachzudenken und deren Feinfühligkeit. Indem die Eltern sich ihr Kind als mentales Wesen vorstellen und auf schnell wechselnde Veränderungen im mentalen Zustand des Kindes sensibel reagieren, bildet sich beim Kind ein mentalistisch organisiertes Selbstgefühl heraus.

Dies ist auch die Vorgehensweise in der mentalisierungsbasierten Psychotherapie.

Wenn das Kind (der Patient) bemerkt, dass es zum Gegenstand der Gedanken andere wird, vermittelt das die Fähigkeit, sich selbst in der Interaktion mit anderen „zuzusehen“, über sich selbst nachzudenken, andere Blickwinkel einzunehmen, ohne den eigenen aufzugeben,

d.h. es geht um die Verinnerlichung des reflektierenden Selbst, das im Inneren des Wohl wollenden Gegenüber wahrgenommen wird.

Insofern bietet auf diesen Prinzipien aufbauende Gruppentherapie mit ihrer Möglichkeit verschiedenster Beziehungen und Sichtweisen optimale Bedingungen, das Mentalisieren zu erlernen bzw. zu verbessern.

MBT ist eine spezielle Sichtweise und Einstellung auf eben solche Patienten, bei denen deutliche Defizite in der Mentalisierungsfähigkeit bestehen.

Hierbei handelt es sich um Patienten, die bzgl. ihrer fehlenden Mentalisierungsfähigkeit

- nicht erspüren und sagen können, wie es ihnen geht und warum und diesen Zusammenhang oft auch gar nicht suchen, sondern stattdessen körperliche Symptome, starke Anspannung oder Selbstverletzungsdruck spüren

- sich nicht in den anderen hineinversetzen können, z.B. eine Diskrepanz zwischen dem äußerem Verhalten und der verbal formulierter Meinung anderer nur als Lüge/Falschheit mit Manipulationsabsicht verstehen können

- teleologisch interpretieren, d.h. vom unmittelbar erfahrenen Effekt einer Handlung direkt auf die Absicht des Handelnden schließen, sich die Frage nach des Motivation des Handelnden gar nicht stellen

- nur das wahrnehmen, was unmittelbar gespürt wird (z.B. Zuneigung nur, wenn sie handelnd gezeigt wird), was dazu führt, dass der Betroffene das Handeln durch Manipulation zu erzwingen sucht

- schnell starke Angst entwickeln, dann nicht mehr reflektieren können und zuerst und lange Zeit Beruhigung und eine sichere Bindung erleben müssen.

Oberstes therapeutisches Ziel ist es, Mentalisieren zu lernen, d.h. Sicht- und Fühlbares mit den dahinter liegenden Motiven zu verbinden.

 

Primärer Ansprechpartner für dieses Konzept: Anne Fels-Rodewig