Psychosomatik

Der psychosomatische Ansatz

Die psychosomatische Medizin beinhaltet neben den allgemeinärztlichen auch Erfahrungen mit verschiedenen seelischen Störungen und Kenntnisse in den verschiedenen medizinischen Fachgebieten.

Sie deckt die Bereiche ab wie: Psychodiabetologie, Psychoonkologie, psychosomatische Schmerztherapie, psychosomatische Gynäkologie, psychosomatische Behandlung bei Organtransplantationen.

Die meistens Menschen finden es schwierig sich vorzustellen, dass die Funktionen unserer Organe durch psychische Faktoren negativ beeinflusst werden können. Der Volksmund allerdings kennt diese Zusammenhänge zwischen Seele und Körper in Sprüchen wie:

mir bricht vor Kummer das Herz,

mir ist etwas auf den Magen geschlagen,

mir läuft die Galle über,

da bleibt einem die Luft weg,

der macht sich vor Angst in die Hose u. a.,

um nur einige Organe herauszugreifen. Störungsbilder sind hierzu z. B. Herzrhythmusstörungen, Reizdarmsyndrom, Schluck- und Atemstörungen, Tinnitus, bestimmte Formen von chronischen Schmerzstörungen, Lähmungen bestimmter Muskelgruppen, sexuelle Funktionsstörungen. Noch schwerer scheint die Vorstellung, dass diese sogenannten Funktionellen Organstörungen psychotherapeutisch beeinflusst werden könnten.

Wenn Ärzte Ihnen die Inanspruchnahme psychologischer Hilfe empfehlen, könnten Sie das auch missverstehen. Vielleicht vermuten Sie, dass die Ärzte Ihre Beschwerden für nicht so schwerwiegend halten oder gar an ihrer Existenz zweifeln. Vielleicht haben Sie über die Jahre auch entsprechend negative Erfahrungen gemacht. Wir hoffen, dass es Ihnen trotzdem gelingt, über unsere Behandlung einen neuen Zugang zu Ihren Beschwerden und Hilfe beim Umgang damit zu finden.

Nach unserer Erfahrung verfügen die meisten Patienten über gute Kenntnisse zur medizinischen Behandlung (Medikamente, Wärmeanwendungen, Massagen, Krankengymnastik u. ä.). Hingegen ist das Verständnis für psychologische Behandlungsansätze im Allgemeinen weit weniger entwickelt. Wir möchten Ihnen deshalb einige Informationen vermitteln, damit Sie die psychologischen Ansätze in der psychosomatischen Behandlung besser verstehen können.

Wie, wann und unter welchen Umständen entstehen psychosomatische Störungen?

Wovon hängt es ab, wie Sie die Störungen erleben,

z. B. wie häufig und in welcher Intensität?

Wir verstehen Störungen der Organfunktionen zunächst einmal als Folge eines Missverhältnisses zwischen den Anforderungen, die an Sie gestellt werden und den Ihnen zur Verfügung stehenden Bewältigungsmöglichkeiten. Ein in der heutigen Zeit aktuelles Beispiel sind die verstärkten beruflichen Anforderungen. Diese sind durch Arbeitsverdichtung, unsichere Arbeitsplätze, erhöhte Anforderungen an die Mobilität mit der Folge unsicherer werdender sozialer Beziehungen gekennzeichnet. Diese Anforderungen treffen auf Menschen, die ein unterschiedliches Bedürfnis haben nach festen sozialen Bindungen, nach Geborgenheit oder freier Lebensgestaltung. Wenn sie diese Anforderungen dann nicht mit ihren Bedürfnissen in Einklang bringen können, entstehen innere Spannungen, die bei länger anhaltender Dauer zu Störungen der Organfunktionen führen. Diese inneren Spannungen werde auch als Stress bezeichnet.

Natürlich entstehen auch Fragen wie: warum komme gerade ich mit diesen Anforderungen nicht klar, wo doch meine Arbeitskollegen dieselben Arbeitsbedingungen haben?

Hier kann es hilfreich sein, die Erfahrungen zu berücksichtigen, die sie in Ihrem bisherigen Leben gemacht haben und die zur Ausbildung Ihrer heutigen Beziehungs- und Bewältigungsmuster beigetragen haben. Diese Muster sind häufig ungeeignet, die wachsenden Anforderungen in unserer zunehmend technisierten und globalisierten Gesellschaft zu bewältigen.

Eine psychosomatisch-psychotherapeutische Behandlung versucht unter Anerkennung Ihrer körperlichen Einschränkungen die psychologischen Aspekte der Organstörung mit Ihnen zu verstehen und andere Mechanismen der Bewältigung zu erarbeiten.

Aber nicht nur äußere Anforderungen können Sie aus dem seelischen Gleichgewicht bringen. Auch eine schwerwiegende körperliche Erkrankung kann sie psychisch aus der Bahn werfen.

Typische Krankheitsbilder sind hierfür z. B.: Krebserkrankungen, akute Herzinfarkte, entzündliche Darmerkrankungen, rheumatische Erkrankungen, Zustände nach Organtransplantationen oder Organlebendspende. Hierzu kann man auch psychische Störungen durch unerfüllten Kinderwunsch oder nach dem Verlust eines Kindes im Rahmen der Schwangerschaft und Geburt zählen.

Die Anforderungen stellen sich bei einer akuten Erkrankung wie einem Herzinfarkt oder einer körperlichen Verletzung durch einen Unfall natürlich anders dar als bei einer chronischen möglicherweise lebenslangen Störung wie z.B. einem Diabetes mellitus, den Folgen eines Schlaganfalls oder denen einer dauerhaft beeinträchtigenden therapeutischen Maßnahme z. B. nach einer Krebsbehandlung, einer Amputation oder einer Organtransplantation.

Auch können nicht nur die unmittelbar betroffenen Menschen psychische Probleme entwickeln, sondern auch deren Partner oder Kinder, die mit den hierdurch veränderten Anforderungen und Einschränkungen in der Familie und/oder Partnerschaft nicht zurecht kommen. Meist sind dies nur vorübergehende Störungen. Hier kann es hilfreich sein, mit einem ärztlichen Therapeuten zu arbeiten, der auch die Ursachen und konkreten Auswirkungen aus seiner beruflichen Anschauung kennt. Oft reicht es aus, mehr über die Hintergründe und realistischen Auswirkungen einer Erkrankung zu erfahren und einmal mit einem Fachmann über seine Ängste und Nöte im Umgang mit der unerwartet auf einen hereingebrochenen körperlichen und sozialen Veränderung zu sprechen. Dies kann dazu verhelfen neue Wege der persönlichen Lebensbewältigung zu entdecken und so beinhaltet jeder Verlust, jede Veränderung auch einen neuen Anfang.