Schmerztherapie

Psychosomatische Schmerzbehandlung

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es meistens schwierig ist sich vorzustellen, wie Schmerzen psychotherapeutisch beeinflusst werden könnten. Wenn Sie zu einem Psychosomatiker überwiesen werden, kann das auch von Ihnen missverstanden werden: Vielleicht vermuten Sie, dass die Ärzte Ihre Schmerzen für nicht so schwerwiegend halten oder gar an der Existenz der Schmerzen zweifeln. Vielleicht haben Sie über die Jahre auch entsprechend negative Erfahrungen gemacht. Wir hoffen, dass es Ihnen trotzdem gelingt, über unsere Behandlung einen neuen Zugang zu ihren Schmerzen und Hilfe beim Umgang mit diesen Schmerzen zu finden.

Nach unserer Erfahrung verfügen die meisten Patienten über gute Kenntnisse zur medizinischen Behandlung (Medikamente, Wärmeanwendungen, Massagen, Krankengymnastik u. ä.), wenn sie in unsere Behandlung kommen. Das hängt damit zusammen, dass die meisten schon über eine längere Zeit nach einer Befreiung von Schmerzen bzw. nach einer Linderung gesucht haben, und so verschiedenste medizinische Behandlungsansätze kennen gelernt haben. Hingegen ist das Verständnis für psychologische Behandlungsansätze im allgemeinen weniger weit entwickelt. Wir möchten Ihnen deshalb einige Informationen weitergeben, die Ihnen helfen könnten, psychologische Ansatzpunkte in der Schmerztherapie besser zu verstehen.

An dieser Stelle möchten wir zunächst auf die Gemeinsamkeiten bei Krankheiten eingehen, die zu häufigen oder lang andauernden Schmerzen führen.

Wie entstehen Schmerzen?

Wie werden Schmerzen wahrgenommen?

Wovon hängt es ab, wie Sie Schmerzen erleben?

Schmerzen sind zunächst einmal die Folge einer Verletzung und stellen einen Reiz für das Nervensystem dar. Über Nervenbahnen wird die Information ins Rückenmark und dann im Gehirn weitergeleitet. Bewusst wird Ihnen der Schmerz erst, wenn er im Gehirn angekommen ist. Bis zu diesem Zeitpunkt kann noch verändert werden, welche Schmerzstärke und Art des Schmerzes Sie schließlich bemerken. Das geschieht über andere Nervenzellen, die die Schmerzleitung fördern oder behindern können. Dabei wird von einem Tor ausgegangen, durch das der Schmerz ins Bewusstsein eintreten kann und das er mehr oder weniger geöffnet bzw. verschlossen vorfinden kann. So kommt es z.B., dass die gleiche Verletzung so sehr schmerzen kann, dass keine Tätigkeit mehr möglich erscheint, in einer anderen Situation aber überhaupt nicht auffällt und erst später bemerkt wird. Wie viel Schmerz Sie wahrnehmen, ist nicht nur von dem Ausmaß der Verletzung abhängig, sondern auch davon, wie Sie sich fühlen und wie aktiv und beschäftigt Sie sind.

Dauern Schmerzen über eine längere Zeit (ab 6 Monaten) an, können sie Ihr Leben erheblich beeinflussen. Zunächst bietet es sich an, den schmerzenden Körperteil zu schonen, was erst einmal auch medizinisch erforderlich sein kann. Allmählich kann dies jedoch zu neuen Problemen führen. Durch die Schonung schwinden Muskeln, die z.B. den Gelenken Halt geben. Dadurch treten neue Beschwerden auf, und Sie haben weniger Kraft zur Verfügung. Es kommt leichter zu Verspannungen, die auch zu Schmerzen führen können.

Außerdem kann der Körper durch die Schonung in einer ungewöhnlichen Art belastet werden, so dass durch die Fehlbelastungen weitere Schmerzen und Verspannungen entstehen können. So kann es geschehen, dass nach einer vorübergehenden Schmerzlinderung Sie unter stärkeren Schmerzen zu leiden haben.

Durch ständige Schmerzen fällt es auch schwerer, den schönen Dingen des Lebens nachzugehen, also z.B. Hobbys oder der Pflege von Beziehungen. Dadurch entsteht allmählich ein Mangel, der sich auf Ihre Stimmung negativ auswirken kann, der Sie traurig oder auch ärgerlich machen kann. Wie schon angedeutet, öffnet dies dann das Schmerztor und verstärkt Ihre Schmerzen und verleitet Sie möglicherweise dazu, sich noch mehr zurückzuziehen. So kann sogar ein Teufelskreis entstehen.

Schließlich gibt es bei länger dauernden Schmerzen auch ein Problem, das durch die Schmerzmittel selber ausgelöst wird. Ähnlich wie ein Schlafmittel oder Alkohol kann sich der Körper an Schmerzmittel gewöhnen. Das bedeutet, dass diese nicht mehr so gut wirksam sind wie zu Beginn der Behandlung. Vorübergehend ist dies dadurch auszugleichen, dass Sie mehr Schmerzmittel einnehmen. Schließlich können Sie jedoch auch zu dem Punkt gelangen, wo Schmerzmittel überhaupt nicht mehr wirken. Daneben gibt es auch den Effekt, dass Schmerzmittel über lange Zeit selber Schmerzen erzeugen können. Dies hängt mit dem sehr komplizierten Wirkmechanismen der Medikamente zusammen. Langfristig ist diesem Problem nur damit zu begegnen, indem Sie die Einnahme von Schmerzmitteln stark einschränken oder ganz darauf verzichten. Nach einem vorübergehenden Medikamentenentzug mit verstärkten Schmerzen klingen dann die Schmerzen auf das körperlich bedingte Ausmaß ab.

Wie können Sie lernen, Ihre Schmerzen zu beeinflussen, um damit besser leben zu können?

Wichtig ist es zunächst einmal, bei Ihren Schmerzen zu unterscheiden, was Sie hinnehmen müssen und was Sie verändern können. Haben Sie z.B. Verschleißerscheinungen an Gelenken oder Wirbelsäule, so können Sie diese nicht beseitigen. Führen jedoch zusätzliche Muskelverspannungen oder ein Muskelabbau durch Schonung zu Beschwerden, haben Sie Möglichkeiten einzugreifen. Das gilt auch in gewissem Umfang für Ihre Stimmungslage, Ihre Gefühle und das Ausmaß an Beschäftigung und Ablenkung.

Während der Behandlung wird es für Sie wichtig sein, sich auch genauer mit Ihrem Schmerz zu beschäftigen, damit Sie verstehen können, was bei Ihnen den Schmerz verstärkt oder lindert. Dazu eignen sich Schmerzprotokolle oder Schmerztagebücher. Des weiteren gehört es zur Behandlung, Wege zu finden, wie Sie sich entspannen können und sich darin zu üben.

Sie könne lernen, sich gezielt abzulenken und Pläne zu entwickeln, wie Sie wieder mehr Angenehmes erleben können und aktiver sein können.

Wo es notwendig ist, können Sie Ihre Muskeln trainieren, zweckmäßige Bewegungsabläufe ausprobieren und die Grenzen Ihrer Belastbarkeit austesten.

Was ist zu erreichen?

Übergeordnetes Ziel der Therapie ist es, mit Ihnen gemeinsam aktive Bewältigungs­wege zu finden, um mehr Lebensqualität und Aktivität zu erreichen - trotz Schmerzen!

Auch wenn natürlich weitgehende Schmerzfreiheit Wunschziel einer Therapie ist, wird sich dies nicht immer erreichen lassen. Hingegen ist es im allgemeinen möglich, dass Sie weniger unter den Schmerzen leiden und Ihre Lebensgestaltung dadurch nicht mehr so stark beeinträchtigt ist.

Primärer Ansprechpartner für dieses Konzept: Dr. med. Klaus Rodewig